Eine Kopfbedeckung soll den Menschen in erster Linie vor negativen Witterungseinflüssen schützen: Ob Regen, Schnee, Wind oder starke Sonneneinstrahlung – für alles gibt es eine passende Mütze, einen Hut, eine Kappe, ein Kopftuch oder eine Kapuze. Doch Kopfbedeckungen, an denen auch immer die aktuelle Modeströmung abzulesen ist, sind noch weitaus mehr. Sie können die Zugehörigkeit ihres Trägers zu einer bestimmten sozialen Schicht, einer Berufsgruppe oder auch Religionsgemeinde demonstrieren. Man denke hier nur an die Kipa der religiösen Juden, die islamischen Gebetsmützen, die hohen Mützen von Bäckern und Köchen, die Baseball Caps von Sportlern … Auch kann die Kopfbedeckung bestimmte herausragende Ereignisse im Leben anzeigen, wie beispielsweise Zylinder und Schleier von Braut und Bräutigam – nicht umsonst ist man nach der Eheschließung schließlich „unter die Haube“ gekommen!
Eines der prominentesten Beispiele, wie eine Mütze zum politischen Symbol wird, stellt die Baskenmütze dar. Obgleich ursprünglich nicht aus dem Baskenland stammend, diente diese barettartige Mütze der Zivilbevölkerung des französischen und vor allem spanischen Baskenlandes schon während der Karlistenkriege zur Demonstration seiner nationaler Identität. Schließlich hatte man damals die baskischen Territorien in die wirtschaftliche Infrastruktur Spaniens und Frankreichs integriert, und das Tragen der Baskenmütze galt als subtiler Ausdruck des Protestes sowie eines erwachenden baskischen Nationalbewusstseins.
Aus Sympathie mit der baskischen Bevölkerung trugen auch viele Künstler und Intellektuelle Baskenmützen; während die Baskenmütze heute weltweit eher mit französischer Lebensart assoziiert wird und sich deshalb konstanter Beliebtheit erfreut. Eine Ausnahme bildet hier die Türkei, denn die Baskenmütze (und mit ihr der Panamahut und die Schirmmütze) gelten hier als Symbole der westlichen Lebensart und ihre Verbreitung als zunehmende Verwestlichung des Landes – und das bereits seit Atatürks Zeiten! Dessen laizistich geprägte Europäisierung gipfelte in einer staatlich diktierten Hutreform von 1924/25. Hier verbot die kemalistische Regierung das Tragen der traditionellen osmanischen Kopfbedeckung (wie Fez oder Kalpak) per Gesetz und verpflichtete stattdessen zum Tragen eines Filzhutes. Atatürk selbst trug auf einer Reise drei Monate vor Verabschiedung des Hutgesetzes erstmals öffentlich einen Panamahut zur Schau und erklärte bei dieser Gelegenheit, dass eine „zivilisierte Kleidung“ westlich sei, zu der nun einmal eine „Kopfbedeckung mit Rand“ gehöre. Die Hutreform, die auch als „Hutrevolution“ Eingang in die Geschichtsbücher fand, bildete den Ausgangspunkt für die neun Jahre später folgende Kleiderreform, die auch das Tragen pro-westlicher Kleidung für türkische Männer verbildlich regelte. Das der Hut für die Bevölkerung jedoch Symbol des „ungläubigen Abendlandes“ war, protestierten vor allem strenggläubige Muslime gegen die neuen Vorschriften.
Kürzlich erst machte die Baskenmütze hierzulande als „religiöses Symbol“ von sich reden: Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschied, dass eine Baskenmütze als religiöses Symbol empfunden werden könne, das sie in der Lage sei, das Haar komplett zu verdecken. Somit falle das Tragen einer Baskenmütze unter das sogenannte Kopftuchverbot und widerspreche dem Schulgesetz.